Die Villa Reale in Marlia hat seit immer adelige Familien
und großzügige Mäzene in ihren Gemächern
beherbergt. Von 1805 an, Napoleons Schwester, Elisa Baciocchi,
Herrscherin von Lucca und danach der ganzen Toskana, gründete
diese grandiose Residenz, indem sie die Villa Orsetti und einen
Nachbarbesitz, wo sich der ehemalige Sommerpalast der Bischöfe
von Lucca befand, einigte. Sie ließ den alten Palast der
Orsetti Familie und den vorderen Bodengang nach modernem Geschmack
umbauen. Bei der Neugestaltung blieben aber die wunderschönen
Parkanlagen aus dem 17. Jahrhundert, das prächtige Garten-Theater,
die "Kamelien-Allee", die "Peschiera" und
"Grotto" verschont.
Nach Napoleons Sturz wurde die Villa von den Herzögen von
Parma und danach von den Großherzögen der Toskana erworben.
Seit der Einigung Italiens wurde sie Privatbesitz von Vittorio
Emanuele II. , der sie Prinz Carlo von Capua überliess, Bruder
des letzten Königs von Sizilien, der in Folge seiner Ehe
mit einer englischen Bürgerlichen, Penelope Smyth of Ballynatray,
enterbt worden war.
Das romantische aber unglückliche Paar verbrachte hier den
Rest seines Lebens und wurde zuletzt in der Privatkapelle des
Parks beigesetzt. 1918, nach dem Tod ihres Sohns - der auf Grund
seines übertriebenen religiösen Eifers und seines exzentrischen
Benehmens "der verrückte Prinz" genannt war - wurde
die Villa verkauft, um seine Schulden zu bezahlen. Die Mobilien
wurden versteigert und viele der Parkbäume als Werkholz gefallt.
Die Grafen Pecci-Blunt, Eltern der heutigen Inhaber, kauften den
Besitz knapp vor der endgültigen Zerstörung des Parks.
Die neuen Besitzer beauftragten den bekannten französischen
Architekten Jacques Greber zur Neuplanung des Parks. Ein "Spanischer
Garten", Wälder, Bache und sogar ein Teich wurden geschaffen,
die eine harmonische und romantische Note den klassischen italienischen
Gärten der Orsetti-Zeit verliehen.
Unter den zahlreichen und berühmten Gästen der Vergangenheit,
kann man den Geigen virtuosen Paganini, königliche Familienmitglieder
aus ganz Europa, oder den amerikanischen Maler John Singer Sargent,
der hier einige Aquarelle malte, erwähnen.
Die Familie Pecci-Blunt hat diese Tradition nicht unterbrochen
und gewährt noch heute großzügige Gastfreundschaft
Persönlichkeiten der kulturellen und politischen Welt.